Klangbaden #11

Nachtspaziergang
Klangbaden #11
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Erinnert ihr Euch noch an Euer letztes Konzert? An euren letzten Theaterbesuch? Die letzte Jamsession? Diese Erinnerungen sind Lichtjahre entfernt und trotzdem ganz nah, wenn wir uns so richtig dort hinein fallen lassen. Und das tut wahnsinnig gut. Die Gründe dafür liegen wie so oft in der Fähigkeit unserer Seele, sich selbst zu stärken. In diesem Fall über Imagination.

Imagination im psychologischen Sinne meint die Fähigkeit, kontrolliert und erlebbar (tatsächlich erlebte oder fiktive) Situationen vorzustellen, geistig auszuarbeiten und zu gestalten – ganz ohne dass sie in unserer aktuellen Realität stattfinden. Über diese Formen der (positiven) Imagination können Emotionen hervorgeholt, Entspannung ermöglicht oder Belastendes losgelassen werden. Kurzum: Sie ist eine ganz schön mächtige Angelegenheit.

Darum geht es auch in der aktuellen Podcastfolge. Ich nehme Euch mit in meine erste simultane Digitalprobe mit meinem Chor und in die Erinnerungen an vergangene Klangreisen und beschreibe, warum genau diese Dinge mir über seelische Durststrecken geholfen haben und wie man gezieltes Erinnern für sich nutzen kann. Dabei spielt der Begriff Kultur ebenfalls eine Rolle: Irgendwo zwischen kühler Hochkultur und gelebter Seelensprache fasst er Gestaltetes zusammen, dass für mich zu solch intensivem Erleben einlädt.

„Der einzige Ort auf der Welt, an dem ich vollends im Moment aufgehe, ist zwischen meinen Mitsingenden im Chor, wenn wir gemeinsam harmonieren. Verdis Requiem mit voller Orchesterbegleitung zu singen war für mich ein Erlebnis aus einer anderen Welt. Ich bin bis heute jedes mal fasziniert davon, wie leise Relevanz sein kann, wenn dieses Stück beginnt. Kein Fachartikel oder Philosophiebuch, kein Priester oder Meditationschoach hat mir ein Gefühl für den Wert des Lebens im Lichte der eigenen Vergänglichkeit gegeben wie Brahms deutsches Requiem. Auf der Bühne der Berliner Philharmonie, begleitet vom Rundfunk Synfonieorchester Berlin habe ich verstanden, was Soziologieprofessor Hartmut Rosa meint, wenn er von Resonanzbeziehungen spricht: Im gemeinsamen Schwingen weltsensibel die Wirklichkeit gestalten. In der überfüllten Kirche im Rahmen des Haldern Pop Festivals habe ich gespürt, wie ein kleiner Chor eine große Masse zu einem einzigen, fühlenden Gegenwartsgebilde machen kann – ohne Instrumente nur mit der Leidenschaft zur Stimme.“
[(M)eine Ode an die Chormusik]

Übrigens: Die Podcastfolge ist schon seit einer Woche aufgenommen und kommt doch völlig zufällig und gleichzeitig genau richtig am Tag nach der ersten richtig echten alle-singen-auf-Abstand-zusammen-Präsenzprobe eben dieses Chores. Und Hand auf’s Herz: Die echte Sache hat der Imagination doch immer noch etwas voraus…

Am Ende noch fix eine Erinnerung: Ich freue mich über Feedback, Tipps und Themenideen! Immer her damit: an@katharina-hajek.de. DANKE!

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