Prokrastinierende Promovierende sorgt sich um den Lokaljournalismus.

„Berlin. Prokrastinierende Promovierende sorgt sich um den Lokaljournalismus.“ So oder so ähnlich hätte ich den Aufmacher für die Radionachricht geschrieben, oder meinen Zeitungsartikel genannt, als ich noch im praktischen Journalismus gearbeitet habe heute hat die Alliteration immerhin dazu gereicht, dass Du diesen Post liest, danke.

Ich habe das ZDF Magazin Royale von letzter Woche gerade gesehen zum Thema Lokal“Journalismus“ in Thüringen, Sachsen und Brandenburg. Als ich mit Kolleg:innen aus der Kommunikationswissenschaft auf der DGPuK-Tagung an der Universität Erfurt dem Chef der Thüringer Allgemeinen Zeitung zuhörte, als er darüber sprach, wie schwer es ist, ländliche Gebiete zu versorgen, war ich besorgt, aber irgendwie distanziert.

Die vergangene Satire-Sendung hat mich hingegen gepackt: Seit den vergangenen drei Landtagswahlen wird die nicht-extreme Gesellschaftsmitte mit untragbaren Situationen überflutet, von denen wir entweder schon längst wussten, oder die wir hätten erwarten und damit vermeiden können. Und das trifft insbesondere jene von uns, die sich in ihrer reflektiert-menschenfreundlichen Wohlstandsbubble damit auseinander gesetzt haben, protestieren waren, und immer zu beschäftigt waren, um mehr zu machen, als das (’na was denn?!‘ denkst du jetzt? – dann meine ich genau dich, mir geht es nämlich genau so).

Untragbarkeiten – Wahlergebnisse 2024

Besonderer Tiefpunkt dieser Flut der Untragbarkeiten war neben den Wahlergebnissen selbst und der ersten Sitzung des Landtags Thüringen, auch das Interview mit Rene Springer (VS AfD in Brandenburg) vom 23.9.24 in der Morgensendung des Deutschlandradio, das den Effekt von acht Jahren verrohender Sprache reflektierte und eindrücklich bewies (chapeaux an #PhilippMay für die Interviewführung).

Und nun die eindrückliche Beschreibung der Verrohung des Lokaljournalismus. Ich erinnere mich noch daran, wie besonders es war, wenn jemand oder etwas in der Zeitung stand – und sehe, wie wichtig es in meiner Familien-Threema-Gruppe noch immer ist; denn diese Zeitung wird gelesen, sie setzt die Themen und vergemeinschaftet. Ich kann deshalb absolut nachvollziehen, wie ein gefärbtes Blatt auch das Blatt wenden kann – und das macht mir echte Angst.

Ich schreibe noch fix meine Arbeit auf und melde mich dann mit einer konkreten Idee, was wir gemeinsam tun können. 📣 Wer bereits etwas kennt, oder hat, oder tut, was die Menschen in den Regionen erreicht und erfolgreich andere Narrative setzen kann: 👉 Bitte kommentiert das hier, damit wir von einander lernen können. 👈

*Wem ist aufgefallen, dass ich „nicht-extrem“ spezifiziert habe? Eine Beschreibung der größten Gruppe der Gesellschaft durch etwas, das sie nicht ist, fühlt sich falsch an, der Begriff „Mehrheitsgesellschaft“ scheint beschlagnahmt und verbraucht. Was könnte man statt dessen schreiben?

https://www.zdf.de/comedy/zdf-magazin-royale/zdf-magazin-royale-vom-20-september-2024-100.html
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